„Generation Topmodel?“ – die große Dr.-Sommer-Studie 2009

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse
Die Ergebnisse in Zahlen
BRAVO hat zum zweiten Mal die Entwicklung von Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren im Rahmen einer Studie untersucht. Dazu wurden im Februar 2009 1.228 Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren befragt. Neben Fragen zur körperlichen Reife der Mädchen und Jungen wurden auch folgende Themenschwerpunkte miteinbezogen:
- Wie zufrieden sind Jugendliche heute mit ihrem Körper und ihrem Aussehen?
- Welche Einstellungen haben Teenager zum Thema Liebe und Partnerschaft?
- Wie ist der Wissensstand heutiger Jugendlicher zu Aufklärung und Verhütung?
Außerdem wurden die Jugendlichen zum ersten Mal in einer derartigen Studie auch zu ihrem Alkoholkonsum und zur Pornografienutzung befragt.
Mit Hilfe der Studie sollte ein Bild von der tatsächlichen Lebenswirklichkeit der 11- bis 17-Jährigen entworfen werden. Oftmals wird in den Medien von der „Generation Porno“, der „Generation Komatrinken“, der „Generation Topmodel“, aber auch von der „Generation Sehnsucht“ gesprochen. Aber sind diese Bezeichnungen tatsächlich richtig? Die Dr.-Sommer-Studie „Liebe! Körper! Sexualität!“ möchte diese und weitere Annahmen überprüfen und eventuell richtigstellen. Dazu sagt Marthe Kniep, Leiterin des Dr.-Sommer-Teams: „Wir verstehen uns als Anwälte der Jugendlichen und wollen die Klischees, die Erwachsene oft von jungen Menschen zeichnen, relativieren!“
Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse
Sowohl die Mädchen als auch ihre männlichen Altersgenossen sind in Bezug auf ihr eigenes Aussehen unzufriedener geworden. Dies zeigt der Vergleich mit der Jugendstudie aus dem Jahr 2006 mit 1.447 Jugendlichen. Vor allem die weiblichen Jugendlichen sind sich selbst gegenüber kritischer und haben hohe Ansprüche an ihr Aussehen, ihren Körper und ihr Gewicht. Marthe Kniep ist der Meinung, dass dieser Trend unter anderem auch auf die zurzeit sehr beliebten Castingshows zurückzuführen ist, bei denen Mädchen und junge Frauen einem überzogenen Schönheitsideal nacheifern.
Positiver ist das Ergebnis der Studie zu Fragestellungen, die die Einstellung der Teenager zu Liebe und Partnerschaft betreffen. Hierbei konnte festgestellt werden, dass Mädchen und Jungen der befragten Altersgruppe eine große Sehnsucht nach Partnerschaft und Nähe haben. Romantische Gefühle, Schwärmereien und Verliebtheit stellen sich bei heutigen Jugendlichen früher ein als bei den Generationen zuvor. Marthe Kniep interpretiert diesen Sachverhalt folgendermaßen: „In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wird das Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit größer. Das ist unsere Interpretation der Tatsache, dass die Jugendlichen sich immer früher nach einer festen Partnerschaft sehnen.“
Während man früher davon ausging, dass die Mädchen den Jungen in der Entwicklung altersmäßig voraus waren, trifft dies heutzutage nicht mehr zu: Die Entwicklung von Mädchen und Jungen verläuft beinahe in allen Phasen parallel.
Jugendliche von heute haben immer noch einen großen Bedarf an Beratung und Information bei Detailfragen zu den Themen Aufklärung und Verhütung. In der heutigen Gesellschaft ist Sexualität dauerhaft präsent – jederzeit und überall kann man Informationen zu diesem Thema erhalten. Trotzdem sind die heutigen Teenager aber nicht aufgeklärter als frühere Generationen. In einer Presseinformation werden die Jugendlichen in dieser Hinsicht zutreffend als „Generation Ich-weiß-nicht-so-genau“ bezeichnet. Von einer „Generation Sorglos“ könne dagegen nicht gesprochen werden.
Obwohl eine große Anzahl von Mädchen und Jungen durchaus pornografische Inhalte kennen, schauen sie sich diese eher unregelmäßig und hauptsächlich zusammen mit Freunden an, wenn sie „Spaß haben wollen“. Betrachtet man diese Ergebnisse, ist es nicht gerechtfertigt, von einer „Generation Porno“ zu sprechen.
Bedenklich ist allerdings der Stellenwert, den der Alkohol bei den Befragten einnimmt. Sie fangen zum Teil schon sehr früh damit an, Alkohol zu trinken. Meistens geschieht dies zusammen mit Freunden. Allerdings kommt es auch vor, dass Jugendliche innerhalb ihrer eigenen Familien ihren ersten Kontakt mit alkoholischen Getränken haben.
- Zufriedenheit mit dem eigenen Körper: Im Jahr 2006 waren 66 Prozent der Mädchen mit ihrem allgemeinen Aussehen und 69 Prozent mit ihrem Gewicht zufrieden. Im Jahr 2009 sind es nur 56 Prozent beziehungsweise 54 Prozent. Bei den Jungen sind die Zahlen in Bezug auf die Zufriedenheit mit ihrem allgemeinen Aussehen gleich geblieben (69 Prozent). Hinsichtlich des eigenen Gewichts hat allerdings auch ihre Zufriedenheit nachgelassen (2006: 83 Prozent; 2009: 74 Prozent). Eine Diät hat bereits jedes dritte der 11- bis 17-jährigen Mädchen und jeder zehnte Junge dieser Altersklasse gemacht.
- Liebe, Partnerschaft und Sexualität: 53 Prozent der 11-jährigen Mädchen und 32 Prozent ihrer männlichen Altersgenossen waren schon einmal verliebt. Hier ist bei den Mädchen ein Anstieg um 28 Prozent (2006: 25 Prozent) und bei den Jungen um 27 Prozent (2006: 5 Prozent) zu verzeichnen. Während im Jahr 2006 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren ihre erste Partnerschaft erlebten, binden sich heutige Teenager in einem Alter zwischen 13 und 15 Jahren erstmalig.
Bei den meisten Jugendlichen findet im Jahr 2009 das „erste Mal“ in einem Alter zwischen 16 und 17 Jahren statt. Die Vergleichswerte aus dem Jahr 2006 sind ähnlich: In diesem Jahr hatten Teenager zwischen 15 und 17 Jahren ihren ersten sexuellen Kontakt. - Wissensstand bei Aufklärung und Verhütung: Gut drei von vier der sexuell aktiven Jugendlichen verhüten regelmäßig. Allerdings hat sich die Zahl der Teenager, die mehr oder weniger regelmäßig auf eine Anwendung von Verhütungsmitteln verzichten, von 2006 bis 2009 verdoppelt (2006: 14 Prozent; 2009: 28 Prozent). Drei Prozent der Jugendlichen verzichten komplett auf eine Verhütung.
Bei den sexuell aktiven Mädchen kennen 45 Prozent die Sorge, nach Verhütungspannen oder ungeschütztem Sex schwanger geworden zu sein. 37 Prozent ihrer männlichen Altersgenossen ist diese Angst ebenfalls bekannt. Einen Schwangerschaftstest haben 23 Prozent der Mädchen schon einmal durchgeführt, 11 Prozent haben schon einmal auf das Notfallpräparat „Pille danach“ zurückgegriffen. - Pornografie: Die Ergebnisse der BRAVO-Studie zeigen: Von der viel zitierten „Generation Porno“ kann eigentlich nicht die Rede sein. Nur ein Prozent der weiblichen Jugendlichen und acht Prozent der männlichen Teenager konsumieren regelmäßig Pornografie. Von den Jungen beschäftigen sich zudem 35 Prozent hin und wieder mit pornografischen Inhalten. Kontakt mit pornografischen Bildern oder Filmen hatten allerdings 57 Prozent der befragten weiblichen Jugendlichen und 67 Prozent der Jungen. Ab einem Alter von 13 Jahren steigt der Kontakt mit Pornografie bei Jugendlichen deutlich an: Während nur 35 Prozent der 11- bis 12-Jährigen pornografische Inhalte konsumieren, sind es bei den 13- bis 17-Jährigen bereits 74 Prozent.
Pornografische Seiten werden von 38 Prozent der Jugendlichen im Internet aktiv angewählt. Pornografie auf dem Handy ist 18 Prozent der befragten Teenager bekannt. Die Hälfte der Befragten konsumiert Pornografie gemeinschaftlich mit Freunden, nur etwa jeder Dritte Prozent schaut derartige Inhalte allein. - Alkoholkonsum: Die Ergebnisse der Dr.-Sommer-Studie zum Alkoholkonsum der 11- bis 17-jährigen Jugendlichen sind bedenklich. Schon früh kommen Teenager heute mit Alkohol in Berührung: So haben bereits 28 Prozent der 11- und 12-Jährigen alkoholische Getränke probiert Sieben Prozent aus dieser Altersgruppe waren schon einmal betrunken. Jeder zweite 14-Jährige hatte bereits einmal einen Alkoholrausch. Vielen Jugendlichen ist das Trinken bis hin zum Verlust der eigenen Kontrolle nicht unbekannt: So hatten bereits 36 Prozent der 14- bis 17-jährigen Jugendlichen einen Blackout. Bei den 11- bis 13-Jährigen haben fünf Prozent eine derartige Erfahrung gemacht. Der erste Kontakt von Jugendlichen mit Alkohol findet hauptsächlich im Freundeskreis statt. Ein Drittel der Jugendlichen kommt im Kreis der Familie zum ersten Mal mit Alkohol in Berührung.
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Quelle: www.bravo.de
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